KI – Freund oder Feind? 

Noch vor wenigen Jahren hätte wohl niemand gedacht, wie schnell das Thema „Künstliche Intelligenz“ in unserem Alltag ankommt. Heute ist sie da – selbstverständlich und fast beiläufig. Sie beantwortet Fragen, schreibt Texte,komponiert, gestaltet und sie verändert – ob wir wollen oder nicht – die Art, wie wir selbst arbeiten, denken und gestalten. Auch an der Meister:innenschule für Kommunikationsdesign begleitet uns das Thema. In Projekten, Gesprächen und Diskussionen – und heuer besonders im Rahmen des „NextComic Festivals“ mit dem Thema “AM I AI?” (MKD x NEXTCOMIC 2026 AM I AI?). Beim Besuch der OÖNachrichten Digital Days wurde deutlich, wie rasant sich diese Entwicklung bewegt und wie nah eine Zukunft mit KI mittlerweile ist. Maschinen und Kreativität, das schien lange ein Widerspruch. Jetzt zeigt sich, dass beides Hand in Hand gehen kann. Aber nur, wenn wir verstehen, wie. Für viele von uns fühlt sich das nach Umbruch an. Arbeitsprozesse und Strukturen verändern sich und der Gedanke, dass Maschinen Ideen liefern, kann faszinierend, aber auch beunruhigend sein. Gerade für uns junge Gestalter:innen, die noch am Anfang stehen, stellt sich dabei die Frage: „Was bleibt, wenn Kreativität nicht mehr ausschließlich menschlich ist?“ 

Auf den ersten Blick erscheint der Einsatz von Künstlicher Intelligenz als ideale Lösung für den heutigen, so effizienzfanatischen Arbeitsmarkt: Sie arbeitet in Geschwindigkeiten, die der Mensch nie erreichen könnte und liefert Ergebnisse nahezu in Echtzeit. Hinzukommt, dass jene Programme für jeden zugänglich und oft sogar kostenlos sind. Was jedoch darunter leidet, ist die Qualität der Arbeiten. KI schöpft nicht, sie kombiniert – heißt, sie greift auf Bestehendes zurück und setzt es neu zusammen. Sie kann Stile imitieren, Farben mischen, Konzepte andeuten, aber versteht keine Zwischentöne. Das Ergebnis bleibt daher stets im Mittelmaß. Die Antworten sind durchschnittliche Lösungen, die bereits zigfach so oder ähnlich generiert wurden. Zudem wirken sie oft zu blass in ihrer Aussage. Gibt man der KI beispielsweise die Aufgabe eines Logodesigns, so entwickelt diese stets das offensichtlichste, sondern das am häufigsten gesehene Motiv. Diese Mittelmäßigkeit ist das, was uns herausfordert um Werke zu schaffen, die sich abheben, emotional ansprechen und sich gut vermarkten, braucht es Menschen mit außergewöhnlichen Ideen und Visionen. Diese entstehen nicht in Sekunden, sondern durch einen kreativen Prozess, der Reflexion, Erfahrung, Intuition und emotionale Auseinandersetzung umfasst. Um Inhalte zu schaffen, die lebendig wirken und eine tiefe Resonanz bei Betrachtenden hervorrufen, ist auch das Verständnis von Mehrdeutigkeit, Ironie, Humor und Dramatik wesentlich, wozu Künstliche Intelligenzen NOCH NICHT in der Lage sind. Denn genau dort, wo Emotionen, Brüche und versteckte Botschaften auftauchen, beginnt Gestaltung und diese lebt von Entscheidungen, die nicht logisch, sondern menschlich sind. Der wesentliche Unterschied zwischen Mensch und Maschine bezüglich Kreativität liegt demnach in der Fähigkeit, Emotionen zu empfinden und ihnen Ausdruck zu verleihen. 

Doch anstatt KI als Konkurrenz zu begreifen, kann sie uns als unterstützendes Werkzeug dienen, dass uns insbesondere in den Frühphasen des Kreativprozesses von Nutzen sein kann. 

Besonders wertvoll erweist sich ihre Anwendung bei der Erstellung von Personas. Durch eine sachlichere Sichtweise eröffnet die KI neue Perspektiven und hilft ein breiteres Spektrum an möglichen Zielgruppen zu erstellen, die oft nicht eindeutig sind. Zudem ist sie nützlich bei der Erstellung von Moodboards. Die Geschwindigkeit, mit der KI arbeitet, kann besonders in späteren Produktionsphasen von großem Vorteil sein. Zeitintensive Arbeitsschritte, wie etwa die Bildbearbeitung, Retusche oder die Anpassung von Details lassen sich mit Hilfe künstlicher Intelligenzen mittlerweile deutlich effizienter gestalten. Dadurch bleibt mehr Raum für die Essenz unseres Arbeitens: die Entwicklung von Inhalten mit emotionaler Tiefe und originellen Konzepten. 

Entscheidend ist, die richtige Balance zu finden. Künstliche Intelligenz sollte nicht als Ersatz, sondern als Erweiterung unserer Kreativität verstanden werden. Wenn wir lernen, sie bewusst einzusetzen, können aus demZusammenspiel menschlicher Kreativität und technischer Effizienz innovative Projekte entstehen, die über reine Reproduktion hinausgehen und neue Maßstäbe setzen. 

CREDITS:

Text von Christina Blantz