Wut als Material – Terminvorschau

Seit mehreren Monaten arbeiten wir an einer Reihe von Konzepten, die als Plakate begonnen haben – und sich Schritt für Schritt weiterentwickelt haben. Aus einzelnen Entwürfen wurden Serien. Aus gedruckten Flächen wurden Animationen. Aus Grafiken wurden raumgreifende Ausstellungsstücke. 

Am Anfang stand ein Gefühl, das viele von uns teilen: Wut. Wut über Zustände, die längst zur Normalität geworden sind. Wut über körperliche Gewalt. Wut über rechte Faschisten. Wut über die Verschmutzung unserer Gewässer. Wut über körperliche Übergriffe. Wut über unleistbare Mieten. 

Themen, die unser Zusammenleben prägen. Themen, die uns direkt betreffen. Themen, die nicht abstrakt sind, sondern konkret – im Alltag, auf der Straße, in den Nachrichten, im eigenen Umfeld. Themen, zu denen wir nicht schweigen wollen. 

„Wut als Material“ ist unser Versuch, nicht still zu bleiben. Nicht neutral zu sein. Nicht so zu tun, als wäre alles halb so schlimm. Neutralität fühlt sich oft wie Zustimmung an. Deshalb wollen wir laut sein. Direkt. Unangenehm.  

Unsere Arbeiten setzen sich visuell und inhaltlich mit gesellschaftlichen Missständen auseinander. Sie wollen auffallen – im Raum genauso wie im öffentlichen Bild. Auch die Bewerbung der Ausstellung folgt diesem Ansatz: Die analogen Plakate wurden im Siebdruckverfahren auf eigens gestaltete, teils rohe, teils experimentelle Hintergründe gedruckt. Farbe wurde geschichtet, überlagert, verschoben. Fehler, Spuren, Druckkanten bleiben sichtbar.Schicht für Schicht entstanden Motive, die wir anschließend digitalisiert und weiterverarbeitet haben. 

Die Poster werden verteilt, geklebt, weitergetragen. Sie sollen Aufmerksamkeit erzeugen, irritieren, Gespräche anstoßen. Vielleicht begegnet euch bald eines im Vorbeigehen. Die Poster werden euch noch erreichen. 

Am 23. April 2026 zeigen wir die Arbeiten in der Damen und Herrenstraße 5 (DH5). Der Ausstellungsraum wird selbst Teil des Projekts: Hintergründe, Drucke, Projektionen und Animationen greifen ineinander und bilden ein Gesamtbild. Es geht nicht nur darum, einzelne Plakate zu zeigen, sondern eine Atmosphäre zu schaffen, einen Raum, in dem Wut sichtbar wird und Haltung Form annimmt. 

Wir sind wütend. 
Und wir sagen was. 

Obwohls wahrscheinlich nichts ändern wird – tja, kommts es euch anschauen. 

CREDITS:

Text von Luisa Geyrecker

Fotos von Alicia Grimm, Jennifer Pauli, Paula Leitl