Dekonstruktion – Analoge Fotografie  

Analoge Fotografie interessiert uns genau dort, wo sie unruhig wird. Dort, wo das Material sichtbar bleibt und sich das Bild nicht glatt auflöst. Ein Foto muss nicht perfekt sein, um zu funktionieren – oft berührt gerade das Brüchige stärker, weil es Raum für eigene Wahrnehmung lässt. Für Zweifel, für Fragen, für das, was zwischen den Bildern passiert. 

Im Projekt „Dekonstruktion und Porträt“ denkt die Meister:innenschule analoge Fotografie bewusst anders: nicht als kontrollierbares Werkzeug, sondern als experimentelles Medium. Als etwas, das Widerstand leistet, überrascht und eigene Wege geht. Für viele von uns war der Einstieg ins Analoge Neuland – und genau das wurde schnell zu seiner größten Stärke. Ohne Display, ohne sofortiges Ergebnis, ohne Sicherheitsnetz. Stattdessen: Vertrauen ins Material, in den Prozess und in die eigene Intuition. Für viele wurde dieses Arbeiten dann schnell zum Lieblingsprojekt. 

Gearbeitet wurde mit experimentellen Entwicklern, mit selbst angesetzter, natürlicher Fotochemie aus Blättern und Moos. In der Dunkelkammer wird vergrößert, geschnitten, genäht, übermalt – mit Papier, Faden und Schere direkt am Bild. Filme werden mutwillig zerstört, neu zusammengesetzt, weitergedacht. Fast alles bleibt im Analogen. Das Fotografieren selbst geschieht bewusst ohne Anspruch auf Kontrolle oder Reproduzierbarkeit.  

Im November fanden die ersten gemeinsamen Fotowalks durch Linz statt. Danach wurde in der Photokitchen ausprobiert, getauscht, gelesen, neu interpretiert. Aus diesem offenen Prozess entwickelte jede:r Teilnehmer:in ein eigenes Projekt. Mehrfachbelichtungen beschäftigen sich mit dem Vergehen der Zeit und der Fragilität von Erinnerung. Vergoldete Gesichter stellen Fragen nach Identität, Fingerabdrücke werden zu Spuren von Grenzüberschreitung und Belästigung. 

Inhaltlich stehen Porträts im Zentrum, begleitet vom Thema Mut – nicht als Illustration, sondern als Haltung. Mut zeigt sich hier im Zulassen von Unsicherheit, im Arbeiten ohne klare Regeln und im Vertrauen darauf, dass das Material seinen eigenen Beitrag leistet. 

Das Bild wird erweitert, teilweise zerstört, neu zusammengesetzt. Analoge Fotografie endet hier nicht beim Auslösen, sondern setzt sich im physischen Umgang mit dem Negativ fort. Der Zugang ist bewusst offen und nicht stilistisch festgelegt. So entstehen zwischen Fotografie, grafischer Intervention und Collage sehr unterschiedliche Bildsprachen – manche roh, andere fein. Gemeinsam ist ihnen der freie Umgang mit dem Medium und die Neugier auf das, was jenseits klassischer fotografischer Regeln möglich wird. 

Die finalen Arbeiten werden im Mai in der Tummelplatz Galerie in Linz ausgestellt. 
Aber keine Sorge – zur Ausstellungseröffnung folgt natürlich noch eine Einladung!  

CREDITS:

Text von Luisa Geyrecker

Fotos von Scarlett Sailer, Katharina Schulz,