Rückblick
Gegen 18 Uhr trafen am Tummelplatz die ersten Besucher:innen unserer Ausstellung „Fragments – Dekonstruktion im Portrait“ ein. Am Vormittag haben wir als kleine Gruppe fleißig den Raum gestaltet und die Werke in der Galerie aufgehängt.
13 Künstler:innen der Meisterklasse haben sich für dieses Projekt auf ganz unterschiedliche Art und Weise mit dem Thema Dekonstruktion und Portrait auseinandergesetzt. Gemeinsam mit dem Team der Galerie wurden die Gäste mit einer kurzen Eröffnungsrede begrüßt und die Werke enthüllt.
Doch um dort zu landen, wo die Ausstellung zu diesem Zeitpunkt war, musste einiges an Vorarbeit geleistet werden. An einem Modell wurde ausgetestet, wie Werke nebeneinander wirken. Es wurden Frage beantwortet wie: Soll hier noch ein Werk mit Farbe hin? Geht die Arbeit da nicht etwas unter? und: Warum hab ich bisher übersehen, wie gut die beiden Werke zusammenpassen?
In der Galerie wurde alles an einen Tag durchgeführt, genau so, wie es sich für eine PopUp-Ausstellung gehört: vormittags hängen, abends Eröffnen und nachts Abbauen. Das Ergebnis war eine gut gelungenes Präsentation unserer Arbeiten.
So sieht man Vergoldetes, DIY-Techniken, Nähte oder auch eine bewusste „Zerstörung“ der Bilder. Dadurch sind Fragmente entstanden. Bilder, die nicht nur ein fertiges Portrait zeigen, sondern auch Spuren von Experiment, Zufall und Veränderung. Analoge Fotografie endet hier nicht beim Auslösen, sondern setzt sich im physischen Umgang mit dem Material fort. Die Werke waren so unterschiedlich wie die Künstlerinnen selbst: Eine Arbeit zeigt eine Unterführung, die Angst macht, weil sie durch männlich dominierte Stadtplanung geprägt ist und folglich für jede Frau* keinen sicheren Ort
darstellt. Was denken und fühlen weiblich gelesene Personen in solchen Situationen? Wie sieht diese Angst aus? Eine andere Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, was von einem Augenblick bleibt, wenn die Gegenwart zur Vergangenheit wird. Mehrfach- und Vielfachbelichtungen symbolisieren hier Erinnerungen, die sich mit der Zeit überlappen. Zu sehen waren auch Handportraits, die eine andere, aber vielleicht sogar ehrlichere Version einer Person zeigen. Wiederum eine andere Arbeit widmet sich dem Thema Alltag und macht sichtbar, dass in diesem vermeintlich grauen Alltag doch etwas mehr Farbe schlummert. Manche der Arbeiten erforderten Mut zum Scheitern oder zum Risiko, da das Endergebnis wenig bis garnicht beeinflusst werden konnte. Beispielsweise durch Chemie, Risse oder den Einsatz eines Bunsenbrenners. Damit die Besucher:innen sich die Konzepte in Ruhe durchlesen konnten, gab es ein selbst gestaltetes Zine. Als kleines Andenken an den Abend konnte man sich auf freiwilliger Spendenbasis Postkarten aussuchen. Bei lauschiger Hintergrundmusik und kühlen Getränken entwickelten sich schnell die ersten Gespräche im Raum. Besucher:innen, die Fragen oder Anregungen hatten, konnten sich direkt mit den Künstlerinnen austauschen. Wer neben den Hauptwerken noch nicht genug hatte, konnte vor der Galerie in Flohmarkt-Manier unter Sonnenschirmen in den Kisten der Galerie stöbern. Dadurch hat das ein oder andere Werk ein neues Zuhause gefunden. Trotz der hohen Temperaturen konnten wir den Abend wunderbar ausklingen lassen. Nach und nach zieht es unsere Besucher:innen nach Hause und wir ziehen weiter in eine Bar, um den Abend in kleiner Runde zu zelebrieren. So muss das sein. Danke an die Tummelplatz Galerie für diese Möglichkeit und an alle Besucher:innen, die den Abend mit uns verbracht haben.






CREDITS:
Text von Annika Czuday und Klaus Taschler
Fotos von Benjamin Uhrlau, Arnold Walter